Schlaf doch bitte endlich! – Kann man schlafen beibringen?

Es ist mal wieder mitten in der Nacht. Doch keiner schläft. Das Baby nicht und die Eltern auch nicht. Ja, das Leben mit Baby ist eben ein völlig anderes. Die Nächte auch. Wenn die Kinder oder Babys tagsüber schlafen, ist man froh und glücklich mal einen Moment vielleicht sogar für sich zu haben. Doch dann kommt der Abend und die Nacht, in der sie sich nicht beruhigen können. Es war davon aus zu gehen, dass ein Baby auch gleich schlaflose Nächte bedeutet. Aber wohl kaum einer kann sich vorher vorstellen, welch Nerven raubende Folter es ist, Monate lang nicht richtig und lang genug zu schlafen. Es ist grausam.

Das im besten Fall brabbelnde gut gelaunte Baby will mitten in der Nacht nicht mehr schlafen. Nachdem es Stunden gebraucht hat überhaupt einzuschlafen. Unwillkürlich fragt man sich, wann man wohl jemals wieder richtig schlafen wird. So richtig, acht Stunden am Stück. Bleibt uns also nur das Warten darauf, dass es eines schönen Tages besser wird, und unser Kind den Unterscheid zwischen Tag und Nacht lernt? Das kann ja so drei bis vier Jahre dauern. Oder gibt es nicht doch die eine andere Möglichkeit das Kind zu schaukeln und zum Schlafen zu überreden???

Einschlafhilfe: Schlafen lernen

Wenn das Baby abends nicht einigermaßen zügig einschläft, bedeutet es, wir haben keinen Feierabend, keine Zeit für uns. Keine Zeit auch mal wieder durchzuatmen. Wenn es nachts nach den üblichen Still- oder Fläschchenpausen, die wir ja gerne noch hinnehmen bis zu einem gewissen Alter, nicht wieder einschläft, bedeutet es: auch nachts keinen Schlaf für niemanden.

Je nach Dauer dieses “Zustandes“ wird es kritisch. Unsere Kräfte sind irgendwann aufgebraucht. Das kann doch nicht normal sein, denken wir. Aber was ist schon normal? Leider, dass ein Baby nach den ersten Lebensmonaten, in denen es meist bis zu 16 Stunden am Tag schläft, das Schlafen komplett lernen muss. Es muss einen eigenen Schlafrhythmus und damit unseren Schlafrhythmus annehmen und lernen. Zwischen Tag und Nacht unterscheiden. Vor allem auch lernen, dass die Nacht zum Schlafen da ist. Um dies deutlich zu machen und damit das Kind eine Orientierung hat, ob es Tag oder Nacht ist, könnte es also helfen darauf zu achten, dass es tagsüber nicht in einem abgedunkelten Zimmer schläft, sondern bei Tageslicht.

Abends kann es dann ruhig dunkler im Zimmer sein, damit ein Unterschied zum Tag besteht. Nach und nach wird das Baby den Unterschied dann erkennen. Aber das dauert eben mitunter ein paar Monate.

„Yippie, wir sind über den Berg, wir haben es geschafft. Das Kind schläft durch, vor uns liegen goldene erholsame Nächte. Und schon am nächsten Tag ist wieder alles anders…

Und auch nach einem Jahr schläft nicht jedes Kind immer durch. Von dem Gedanken müssen wir uns wohl oder übel verabschieden. Wenn man sich aber gar nicht dem Druck hingibt, ein Kind muss doch nach einem halben Jahr oder wann auch immer, durchschlafen, vermeidet das unnötigen Stress für einen selber. Von den Wunderknaben und Streberkindern mal ganz abgesehen, haben doch die meisten Kleinkinder und Babys Phasen, in denen sie nicht gut schlafen, drei- oder viermal die Nacht aufwachen und auch nicht sofort wieder einschlafen. Dann wieder gibt es den Moment, in dem man denkt: „Yippie, wir sind über den Berg, wir haben es geschafft. Das Kind schläft durch, vor uns liegen goldene erholsame Nächte.“

Und schon am nächsten Tag ist wieder alles anders. Der Husten, der Schnupfen, die verstopfte Nase, die Wachstumsschmerzen im Bein oder andere Zipperlein schauen vorbei und bringen alles wieder durcheinander. Mist, so war das doch nicht geplant! Ach ja, man kann ja gar nichts planen und sich auch auf nichts verlassen, stellt man dann wieder schmerzlich fest. Alles bleibt anders.

Hier hilft mal wieder der Gedanke: es ist nur eine Phase! Leider auch die guten Phasen sind vergänglich. Aber sei es drum, tatsächlich ändert sich der Schlafrhythmus, oder eben Nicht-Rhythmus, alle paar Wochen. Niemand schläft immer gleich gut. Und dann werden die guten Schlafphasen doch langsam immer mehr, immer länger, bis man sich irgendwann noch nicht mal mehr vorstellen kann, dass das Kind mal nicht durchgeschlafen hat.

Aber Schluss mit der Träumerei. Was also, wenn man diese Phase noch nicht erreicht hat?

Sind mal wieder alle Lieder gesungen, alle vermeintlichen Joker gezogen und das Kind will trotzdem weder im Bett, noch in der Wiege, noch auf dem Arm einschlafen, bleibt nur eins …..und das ist das Schwierigste: Verständnis aufbringen.

Einschlafhilfe: Verständnis

Uff, wo soll ich das nun hernehmen? Ich kann kaum noch aus den Augen schauen, die Nachbarn müssen denken wir haben eine Lichtallergie, weil bei uns dauernd die Vorhänge zugezogen sind, weil immer irgendwer Schlaf nachholen muss. Und die Freundin fragte letztens besorgt, ob sie meinen runden Geburtstag verpasst hätte, oder warum ich so traurig aussehe. Und nun soll ich Verständnis für den Grund allen Übels, unser geliebtes nicht-schlafen-wollendes Kind, aufbringen? Wie soll das gehen?

Für unser Verständnis heißt Schlaf in der Nacht: Zeit zum ausruhen, der Körper tankt auf. Wir brauchen den Schlaf zum Erholen. Wir wissen, dass es uns besser geht, wenn wir ausgeschlafen sind.

„Wer zu viel grübelt und zu verarbeiten hat, schläft nicht gut ein, das kennen wir Erwachsenen doch auch. Und für Babys ist nun mal die ganze Welt neu…

Für Babys ist der Schlaf jedoch erst mal eine Herausforderung überhaupt abzuschalten. Alle neuen Eindrücke, alle neuen Reize, die es tagsüber gesehen hat, erst mal wieder bei Seite zu schieben und sozusagen nicht weiter zu verarbeiten. Und damit sind Babys oft schlichtweg zu sehr beschäftigt, um abschalten zu können und zu schlafen. Wer zu viel grübelt und zu verarbeiten hat, schläft nicht gut ein, das kennen wir Erwachsenen doch auch. Und für Babys ist nun mal die ganze Welt neu. Das müssen sich auch Mama und Papa immer mal wieder klarmachen.

Natürlich hilft es nicht, wenn der Kinderarzt, zu dem man voller Hoffnung auf die ultimative Lösung geht, einen mit einem lapidare „entspannen sie sich, dann schläft das Kind auch“ abbügelt. Auch die Schlafberatung, die es in größeren Städten gibt, hilft nicht wirklich, wenn sie das Modell verfolgt: „Einfach kein Fläschchen geben oder Stillen, und einfach anderweitig beruhigen.“

Natürlich kann man so manches Kind nicht anderweitig beruhigen. Und warum sollte man auch die Brust oder das Fläschchen verweigern? Dass ein Kind sich beim saugen beruhigt ist vom ersten Tag an so. Und wenn es so einfach wäre ein Kind zu schuckeln und schon ist es schön eingeschlummert, dann würde man es ja schließlich machen, und müsste sich nicht verzweifelt an Kinderärzte, Hebammen oder Schlafberatungsmenschen wenden. Was all diese Ratgeber aber vielleicht gemein haben und meinen ist: „entspannen sie sich“ im Sinne von „nehmen wir den Ist-Zustand an“. Klar, ist es nicht einfach, wenn man kaum noch aus den Augen gucken kann und die Nerven blank liegen. Aber vielleicht ist der Nicht-Schlaf-Zustand leichter zu ertragen, wenn wir uns klar machen, dass unser Baby es erstens nicht mit Absicht macht und zweitens einfach nicht abschalten kann, weil es vermutlich sehr intelligent ist (es hilft ja auch sich das einzureden) und einfach zu viel zu verarbeiten hat.

„Sicher ist, jedes Kind und jede Familie muss und wird ihren eigenen Weg finden, wie das Einschlafen und das spätere Durchschlafen besser gelingt…

Vermutlich wollen uns alle Experten also nur sagen: sie können nicht viel daran machen, außer die Situation anzunehmen mit dem Wissen, dass es sich wieder ändern wird und Babys und Kinder das Schlafen und Durchschlafen ganz sicher lernen werden.

Klingt erst mal frustrierend. Wenn man das tiefe Verständnis für sein Kind und seine Einschlafprobleme aber mal zulässt, wird man sehen, wie die eigene Genervtheit und Ungeduld besser wird und wie schön es auch sein kann, sein Kind bei diesem unsicheren Weg durch all das Neue begleiten zu können.

Das war’s? So einfach ist es? Verständnis aufbringen für das Kind und schon schläft es? Nun ja. Auch nicht immer. Deshalb ist es schon sinnvoll ein paar Dinge auszuprobieren und vielleicht hilft ja tatsächlich etwas. Sicher ist, jedes Kind und jede Familie muss und wird ihren eigenen Weg finden, wie das Einschlafen und das spätere Durchschlafen besser gelingt.

Einschlafhilfe: Ausprobieren bis der Schlaf kommt

Schnuller sind natürlich umstritten und so manches Kind ist auch wenig begeistert davon, wenn der Schnuller die Brust oder Mamas Nähe zur Beruhigung ersetzen soll. Doch manchmal hilft es, das Kind einfach ein bisschen zu sich kommen zu lassen. Als besonders mundgerecht haben sich die Kirschschnuller herausgestellt. Denn der kugelförmige extra dicke Saugkopf bieten besonders Kindern mit hohem Saugreflex viel zu tun. Es gibt ihn in unterschiedlichen Größen, je nach Alter. Und sind wir doch mal ehrlich, einen Schnuller später wieder abzutrainieren, ist sicherlich einfacher als den Daumen, den das Kind vielleicht sonst zum beruhigen nehmen würde.

Auch Bewegung kann Kind besser einschlafen lassen. Geschuckelt wird grundsätzlich ja schon immer und überall ob in der Trage (z.B. Manduca) oder im Kinderwagen. Warum nicht also auch zuhause. Dann müssen die Väter sich nämlich eine Nacht weniger mit dem Kinderwagen durch die Dunkelheit quälen, damit das Kind endlich mal einschläft. Den richtigen Schwung bekommt das Baby, wenn Mama oder Papa sich den aus der Schwangerschaftsgymnastik übrig gebliebenen Hüpfball schnappen und sich mit Kind im Arm selbst in Schwingung bringen. Wir haben erstaunliche Höchstleistungen zu Tage gebracht und das Kind in den Schlaf gehopst. Je heftiger desto besser. Gut rauf und runter gefedert wird Kind auch in der Hängewippe. So muss man nicht immer selber fast mit an die Decke hopsen.

Auch Geräusche können helfen, damit das Kind zur Ruhe kommt. CDs mit Rausch-Geräuschen etwa, können helfen, wenn das Kind zu abgelenkt ist von äußeren Reizen, und nicht so gut abschalten kann. Neben etlichen Schlafliedertieren, Sternenhimmelprojektoren und sonstigen Dingen, die unruhige Kinder eigentlich mehr ablenken als wirklich zum Wegschlummern bringen, sind es die alltäglichen Geräusche wie der Stausauger, die das Kind im dunklen Zimmer nicht ablenken, es aber durchaus beruhigen können. Auch der Fön aus dem Badezimmer macht ein schönes Surren, das Kinder lieben.

Eine weitere Möglichkeit für den Fall, dass das Kind immer wieder aufwacht ist der Pucksack. Da wird gewickelt und festgezurrt. Aber es hilft. Dadurch, dass die Arme an der Seite oder auf der Brust des Kindes liegen, kann es sich mit den Armen wedelnd nicht immer selber aufwecken oder vom einschlafen abhalten. So wird die beschützende Haltung wie sie das Kind im Mutterleib auch hatte nachempfunden. Man muss sich nur vor Augen halten, wie viele Erwachsene in der Embryostellung oder eng eingerollt schlafen, weil sie sich so am wohlsten fühlen. Bei besonderen Wühlern und starken Babys, die sich selbst daraus befreien können, legt man einfach ein großes Spucktuch (Mulltuch) zum Dreieck gefaltet darunter und knotet es samt Baby noch einmal um den Pucksack.

Einschlafhilfe: Rituale

Je älter das Kind wird, desto wichtiger werden auch abendliche Rituale und Reihenfolgen. Damit sind aber eher routinemäßige Abläufe, die dem Kind Sicherheit geben, gemeint, als lange Zubettgeh-Zeremonien. Auch das kann es geben, und dem einen oder anderen Kind helfen den Tag besser zu verarbeiten. Jedoch haben Papas überschwängliche Abendvorstellungen des Puppentheaters oder die Präsentation seiner Vorlesekunst mit Überlänge schnell zur Folge, dass das Kind erst recht wieder aufdreht und in den Spielmodus umschaltet. Mehr Erfolg verspricht eine ruhige Stimmung, die auf das Zubettgehen vorbereitet, aber nicht allzu ausgedehnt wird. Waschen, Schlafanzug anziehen im Schummerlicht, zwei Geschichten für ältere Kinder, für jüngere vielleicht zwei Lieder und ein bisschen kuscheln. Keine Sorge, den Zubettgeh-Prozess ziehen die Kinder von ganz alleine in die Länge.

Eigenes Bett vs. Familienbett

Und dann wäre da ja noch die immer wieder heiß diskutierte Frage: Kind im eigenen Bett schlafen lassen oder ein Familienbett bauen? Seit neustem wird das Familienbett bei uns gefeiert wie eine Neuerfindung. Dabei ist es in andern Ländern völlig undenkbar, dass kleine Kinder nicht bei den Eltern schlafen. In vielen Familien, weil es gar nicht genug Zimmer gibt, in anderen aus genau dem Grund, damit die Kinder und damit alle besser schlafen.

Die Kinder spüren die körperliche Wärme. Das immer Zusammensein. Und auch für die Eltern kann es den Vorteil bieten, nicht bei jedem Pieps aufstehen und nachschauen zu müssen.

Warum sollte man es sich also schwer machen, und nicht neben seinem Kind schlafen? Weil unsere Gesellschaft meint, dass Kinder alleine in ihrem Zimmer schlafen sollten und Eltern es stolz verkünden, wenn ihr Baby schon alleine schläft seit es auf der Welt ist, als sei das eine wahnsinnig tolle Errungenschaft. Genauso das vermeintliche Erfolgserlebnis, das einige Eltern scheinbar verbreiten wollen, dass sie ihr Kind zum schlafen “erzogen“ haben. Nach drei Nächten Geschrei, das sie natürlich ausgehalten haben, war dann gut, protzen sie.

Ja, so stand es ja schließlich im Baby-Handbuch und in vielen Ratgeberbüchern zum Thema Einschlafen. Drei Abende schreien lassen, dann hat das Kind gelernt … ja, was eigentlich? Dass es einschlafen soll, ab sofort nur noch so? Allein in seinem Bett? Oder, dass es allein gelassen wurde?

„All diese Hilfsmittel können helfen, mal mehr, mal weniger. Mal keines, mal alle zusammen…

Ob ein Familienbett in Frage kommt, muss jeder für sich selber entscheiden. Aber auch, wenn man als Paar nicht gleich sein ganzes Bett freigeben will, hilft es vielleicht sich im Kinderzimmer eine Möglichkeit zu schaffen sich zum Kind zu legen. Die Kleinen merken ganz genau ob jemand im Raum ist oder nicht.

All diese Hilfsmittel können helfen, mal mehr, mal weniger. Mal keines, mal alle zusammen. Und jede Mama kennt ihr Kind und weiß – auch wenn man manchmal das Gefühl hat gar nichts mehr zu wissen und sich hilflos fühlt – sie weiß dennoch wie ihr Kind tickt. Ein einmal erfolgreicher Einschlaf-Trick wird auch ein zweites Mal funktionieren. Was noch nie funktioniert hat, wird wahrscheinlich auch nicht mehr funktionieren.

Aber sei es eine, wie uns eingeredet wird, schlechte Angewohnheit, zu viele Fläschchen Milch in der Nacht zu brauchen oder eben den Schnuller, dann ist das so. Dann kann mein Kind eben nur so einschlafen. Das wichtigste ist doch für sich einen Weg zu finden, wie es einigermaßen funktioniert. Man wird selber ruhiger und weniger angespannt bei dem Thema, wenn man die Situation annimmt und sich bewusst wird, es geht vorbei. Diese Gedanken helfen wirklich, bis einem selbst die Augen zufallen. Vor Erschöpfung versteht sich.