Milchstau – nix geht mehr – wenn Stillen zur Qual wird.

Es lief doch so gut. Vielleicht zu gut. Und dann passiert es doch. Die Brust schmerzt, das Kind ist unzufrieden, nichts mehr ist schön am Stillen. Das Horror-Szenario: Milchstau. Aber was soll das eigentlich sein? Von ominösen Kohlwickeln, warmen Kompressen oder Ausstreichen hatte die Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs ja schon etwas gefaselt. Das wollte man zu dem Zeitpunkt aber wirklich noch gar nicht wissen. Nun aber ist die übliche Nachsorgezeit der Hebamme vorbei, und plötzlich ist das Stillen alles andere als entspannt, wie zu dem Zeitpunkt, als sie das letzte Mal vorbeischaute. Es lief ja auch alles gut, und nun das, auf einmal ist das Anlegen und Stillen fürchterlich schmerzhaft. Eine belastende Situation. Wie also entsteht der Stau in der Brust und wie lässt er sich verhindern?

Die gute Nachricht vorweg: Fast alle stillenden Mütter haben irgendwann einmal einen Milchstau. Am häufigsten tritt er in den ersten 12 Wochen auf, meist in der 2.-3. Woche nach der Geburt, da sich Mutter und Kind erstmal auf die benötigte Menge Milch einstellen müssen. Sprich: Die Brust muss sich immer wieder neu darauf einstellen wie viel das Kind tatsächlich trinkt. Die Menge wird im Laufe der Zeit immer mehr, steigt aber keinesfalls gleichmäßig, sondern individuell mal mehr, mal weniger an. Die Brust muss sich also ständig auf neue Gegebenheiten einstellen. An einem Tag trinkt das Kind mehr, am anderen weniger, mal schläft es durch und braucht in der Nacht weniger, oder ersetzt bereits eine Mahlzeit durch Brei. Es droht Milch in der Brust “übrig“ zu bleiben.

Symptome eines Milchstaus

Durch die Milch, die im Milchkanal länger verbleibt, kann sich der Milchgang allmählich zusetzen. Anzeichen dafür treten nach und nach auf, wie zum Beispiel ein weicher etwa erbsengroßer Knubbel. Nichts Besorgniserregendes, aber ein bisschen Milch, die sich verklumpt hat. Manchmal entsteht auch eine kleine weiße Blase auf der Brustwarze. Die Brust ist empfindlich und in manchen Fällen ist der Knubbel klar zu ertasten. Manchmal merkt man es aber auch daran, dass das Baby quengelig wird, wenn es von der betroffenen Brust trinkt, weil der Milchfluss eingeschränkt ist und nicht genug Milch bekommt. Zuerst ist der allgemeine Gesundheitszustand der Mutter aber noch okay, und der verstopfte Milchkanal ist nur bei genauem Tasten zu bemerken.

„Doch bleibt er unentdeckt, kann der Milchstau zu einer Brustentzündung führen…

Doch bleibt er unentdeckt, kann der Milchstau zu einer Brustentzündung, (medizinisch ‘Mastitis‘) führen. Beim ersten Mal wird ein Milchstau oft leider nicht sofort als solcher erkannt, weil er fälschlicherweise erst als Grippe oder Erkältung abgetan wird. Denn genau so fühlt er sich an. Zunächst ist die Brust warm und eventuell gerötet. Im weiteren Verlauf greift die Entzündung aber den ganzen Körper an und verursacht starke Schmerzen, Fieber, Schüttelfrost sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl.

Sprich: Man fühlt sich matt, hat Kopf- und Gliederschmerzen wie bei einer Grippe. Aber klar zu unterscheiden von einer simplen Grippe ist die Brustentzündung dann, wenn die Brust bereits gerötet oder sogar verhärtet und druckempfindlich ist.

Wenn ein Milchstau nicht rechtzeitig oder nicht richtig behandelt wird, kann sich daraus also eine Brustentzündung entwickeln, wobei der Übergang leider durchaus fließend ist und die Symptome und die Behandlung sich auch nicht großartig voneinander unterscheiden.

Deshalb ist es umso wichtiger, die Ursachen zu kennen und den Milchstau gleich verhindern zu können.

Ursachen für den Milchstau

Ein Milchstau entsteht, wenn ein Bereich der Brust, ein Milchkanal nicht gut genug entleert worden ist.

Verstopfte Milchgänge haben nicht immer eine eindeutige Ursache. Meist jedoch liegt der Grund in einer unzureichenden Entleerung der Brust. Der Hintergrund hierfür ist oft das falsche Anlegen des Babys, zu drückende oder falsche BHs, aber eben auch die zu langen Abstände zwischen den Stillmahlzeiten.

Aber so ist es nun mal, das Kind sollte den Ton angeben, bestimmt eigentlich genau wann und wieviel es braucht, und die Brust beziehungsweise die Milchproduktion muss da erst mal hinterher kommen. Dennoch ist es weitaus komplexer.

Denn mehr als man denkt, können Erschöpfung, Übermüdung, der Stress durch die neue Situation, und die Unsicherheit das intakte Stillsystem ins Schwanken bringen. Nicht selten spielt uns die Psychologie einen Streich und warnt unseren Körper bei Überbelastung, Stress und übermäßigem Schlafentzug. Natürlich weiß der Körper sehr wohl auch, dass man gerade ein Kind gekriegt hat, er war ja maßgeblich beteiligt, nur scheint er manchmal zu vergessen, dass das nicht jede Nacht friedlich neben uns schlummert und wir uns wirklich in aller Ruhe erholen können und Kraft tanken können, für den neuen Tag, so wie er es einfordert.

„…in unserer Zeit fühlen sich viele Frauen nach der Geburt gestresst oder nehmen sich selbst nicht mehr genug Zeit, sondern fühlen sich verpflichtet die Baby-Antrittsbesuche über sich ergehen zu lassen, und meinen obendrauf noch das perfekt gestylte, jederzeit Instagram-bereite Zuhause und Baby haben zu müssen…

Seelische und körperliche Komponenten wie Stress, Erschöpfung, extremes Unbehagen mit der neuen Situation sowie Schlafmangel können zum Milchstau führen und uns schon im Wochenbett belasten. Den Begriff Wochenbett kennt man ja heutzutage kaum noch. Selten hört man die Neu-Mama sagen: „Besucht mich gerne, ich liege aber noch im Wochenbett, also bringt doch bitte was zu essen mit.“ Nein, in unserer Zeit fühlen sich viele Frauen nach der Geburt gestresst oder nehmen sich selbst nicht mehr genug Zeit, sondern fühlen sich verpflichtet die Baby-Antrittsbesuche über sich ergehen zu lassen, und meinen obendrauf noch das perfekt gestylte, jederzeit Instagram-bereite Zuhause und Baby haben zu müssen. Das dass Wochenbett früher einmal acht Wochen beschrieb, in denen absolute Ruhe in der Bude herrschte, geht dabei völlig unter. Ruhe, die sich die Neu-Mama mit ihrem Baby aber geben und nehmen sollte, um sich aneinander zu gewöhnen. Nicht zwangsläufig im Bett aber ein paar Wochen für sich, daheim und in aller Ruhe ankommen mit dem Baby, sich aufeinander einspielen, verhindert vielleicht ein Teil des Stresses und sogar den Milchstau.

Was ist zu tun bei Milchstau?

Der häufigste Grund für einen Milchstau ist wie gesagt, das Verbleiben der Milch in der Brust. Das ist schon mal einfach zu vermeiden, indem man erst mal jede Stillmahlzeit auf der schmerzenden Seite beginnt, damit die als erstes geleert wird. Man sollte alle eineinhalb bis zwei Stunden anlegen und dabei das Baby so halten, dass sein Kinn gegen die schmerzende Stelle drückt. So wird die Milch besser herausgezogen und der Knuppel kann gut gelöst werden. Wenn das Kind nicht mehr trinkt, kann die Brust ausgestrichen werden.

Das Ausstreichen klingt zunächst komplizierter als es ist:

Zum Entleeren werden Daumen und Zeigefinger gegenüberliegend (C-Griff) etwa drei bis vier Zentimeter hinter der Brustwarze auf die Brust gelegt. Nun mit beiden Fingern in Richtung Brustkorb drücken und anschließend Daumen- und Zeigefinger sanft aufeinander zu drücken, so dass sich der Warzenvorhof zusammenschiebt. Die Finger dürfen dabei nicht über die Haut rutschen. Dieses Pumpen und Drücken am besten rhythmisch wiederholen, erst an der gleichen Stelle, dann die Finger etwas verschieben und auf die gleiche Weise weitermachen, damit die Milch aus allen Brustregionen ausgestrichen wird. Dabei ist es auch hilfreich, die Hand zu wechseln, um alle Brustgänge gut zu leeren. Etwa 20 Minuten dauert es, damit die Brust wirklich komplett leer ist.

Noch besser klappt es, wenn man sich leicht nach vorne beugt, und lockerlässt. Hat den Vorteil, dass man die Milch dann auch gleich auffangen kann, wer das mag. Schmerzen sollte das Ganze aber auf keinen Fall bereiten.

Und auch Haushaltsmittelchen können zum Einsatz kommen, um den Knoten zu lösen oder Schmerzen zu lindern:

Wärmeanwendungen auf den Brüsten, entweder trocken oder feucht, sind immer gut. Heißt: feuchte, warme Kompressen, ein Heizkissen oder aber sehr warm duschen und die Brust dabei massieren, dann beugen Sie Ihren Oberkörper leicht nach vorn. Die Brust ist eventuell so weich, dass die Milch fast von allein herauslaufen kann.

Durch die Wärme wird der Schmerz etwas gelindert.
Egal wie, Wärme wirkt immer entspannend, da schadet es nicht sich so viele Heizquelle wie möglich in Brustnähe zu bringen, Heizkissen oder eine Wärmflasche über die Brüste legen. Andere Frauen wiederum empfinden Quarkwickel (bitte die Brustwarze und den Warzenhof aussparen) als hilfreich.

Für etwas Experimentiervollere bietet sich sogar ein Quarkwickel mit hochprozentigem Alkohol an. Der Alkohol entspannt nämlich nicht nur getrunken, sondern hilft auch beim Milchstau auf der Haut. Einfach ein Tuch in hochprozentigem (min. 40%) weißem Alkohol tränken, dann die Brust mit Quark einreiben und um mit dem feuchten Tuch umwickeln.

Je mehr Alkohol das Tuch aufgenommen hat, desto besser ist es für die Durchblutung. Im ersten Moment kann es sein, dass der Alkohol leicht auf der Haut brennt, doch nach ein paar Sekunden verspürt man angeblich einen Aha-Effekt und es fühlt sich schnell besser an. Und damit man nicht gleich alles einsaut, lieber noch ein Handtuch um den Oberkörper wickeln.

Bei jeder Behandlung allerdings sollte etwas Zeit mit viel Geduld eingeplant werden. Da ist sie wieder die nötige Ruhe und Entspannung.

Oder, und nun kommen sie doch zum Einsatz, die Weißkohlwickel. Weißkohl kühlt. Die Blätter vom Strunk befreien und mit einem Nudelholz platt rollen, damit auch die wertvollen ätherischen Öle frei werden. Dann rauf auf die Brust. Es ist nicht so matschig wie Quark, und wenn das Kind doch nochmal eher trinken will als gedacht, mag es die elegantere und saubere Form der Kühlung sein.

Aber nun bloß nicht verwirren lassen.

Heiß oder kalt behandeln?

Beides ist eigentlich gut, hintereinander, mal gewärmt und mal gekühlt.

Denn richtig ist, vor dem Stillen oder beim Ausstreichen löst die Wärme die Spannung und regt den Milchfluss an. Nach dem Stillen, oder ist die Brust wirklich geleert und schmerzt dennoch, lindert die Kälte die Entzündung, und die Nachproduktion neuer Milch wird verzögert oder ein wenig geblockt.

Wärme entspannt, Kühlung lindert die Entzündung.

Aber bei allen Behandlungsmittelchen gilt, um Milchstau auf Dauer zu verhindern: das oberste Gebot ist immer Ruhe und Entspannung. Es ist wichtig, die Stresshormone so niedrig wie möglich zu halten, damit die neue Milchproduktion angeregt werden kann, der Milchfluss immer an die Bedürfnisse des Kindes angepasst sind und nicht den Milchkanal verstopft. Und helfen alle Hausmittel nicht, und bleibt das Krankheitsgefühl oder das Fieber, sollte man wirklich immer zum Arzt gehen.

„Wärme entspannt, Kühlung lindert die Entzündung…

Und ja, vielleicht fühlt man sich in dem Moment eines Milchstaus zwischen Quarkwickeln, Heiz- oder Kühlkissen wie eine Milchmaschine, aber vielleicht hilft auch der Gedanke daran, dass es nicht selbstverständlich ist ein Kind auf die Welt zu bringen, und dass es auch nicht selbstverständlich ist ihm das Kostbarste geben zu können, was es zum groß werden braucht – die eigene Muttermilch. Außerdem, diese Zeit des Stillens vergeht, und meistens dann doch so viel schneller als einem lieb ist.