Fast jede dritte Frau entbindet heute per Kaiserschnitt. In vielen Fällen ist das medizinisch notwendig. Die gestiegenen Zahlen lassen allerdings vermuten, dass ein Lifestyletrend dahintersteckt. Doch ist das wirklich so? Wann ist ein Kaiserschnitt nötig, wie läuft der Eingriff ab und was bringt Frauen dazu, sich freiwillig unter´s Messer zu legen?

Was ist ein Kaiserschnitt?

Der „kaiserliche Schnitt“ wurde früher durchgeführt, um eventuell noch das Kind zu retten, wenn eine Schwangere während der Geburt verstarb. Etwa im 15. Jahrhundert wurde ein Kaiserschnitt dann erstmals auch an lebenden Frauen durchgeführt, natürlich weitaus seltener und mit großem Risiko für Mutter und Kind. Viel hat sich geändert: heute holen Ärzte jährlich rund 30 Prozent der Babys per Kaiserschnitt. Damit hat sich die Zahl in den letzten 15 Jahren etwa verdoppelt – und das alles mit deutlich weniger Komplikationen.

Der Kaiserschnitt, die sogenannte Sectio caesarea, ist eine Operation, mit allem was dazu gehört! Der Chirurg öffnet mit einem Schnitt quer über den Bauch im Bereich der Bikinizone zuerst die Bauchdecke und anschließend mit einem weiteren Schnitt die Gebärmutter. Dann greift er hinein und holt das Baby auf die Welt. Nach dem Abnabeln entnimmt er den Mutterkuchen, stillt Blutungen und schließt die Bauchdecke.

 

KAISERSCHNITTRATEN
Im europäischen Vergleich…

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Deutschland

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Kaiserschnitt – Schritt für Schritt

Vorbereitungen

Nach einer ausführlichen ärztlichen Aufklärung über den Eingriff und die Risiken, geht es im Leibchen ab in den Operationssaal. In Rückenlage auf dem Operationstisch wird die Stelle, an der der Chirurg später das Skalpell ansetzt, desinfiziert, von Haaren befreit und steril abgedeckt. Ein Blasenkatheter, damit die Blase leer bleibt, EGK-Elektroden zur Kreislaufkontrolle und ein Zugang am Handrücken dürfen nicht fehlen. Ein Sichtschutz zwischen Kopf und Bauch verhindert den direkten Blick auf das Geschehen. Etwa eine halbe Stunde dauern die Vorbereitungen, dann kann es losgehen.

Narkose

Für den Kaiserschnitt stehen verschiede Narkoseverfahren zur Verfügung:

  • Spinalanästhesie
  • Periduralanästhesie
  • Vollnarkose

Die Spinalanästhesie und Periduralanästhesie, kurz PDA, haben einige Vorteile: Die Mittel gehen nicht in den mütterlichen und damit auch nicht in den kindlichen Kreislauf über. Sie wirken lokal und blockieren die Schmerzweiterleitung über die Nervenbahnen. Das Schöne daran: die Schwangere erlebt die Geburt trotz Kaiserschnitt bei vollem Bewusstsein. Diese beiden Methoden kommen nur infrage, wenn der Kaiserschnitt geplant ist und Zeit bleibt. Es dauert nämlich immer etwa eine halbe Stunde, bis die Betäubung wirkt.

Muss es schnell gehen, weil das Leben von Mutter oder Kind in Gefahr ist, entscheiden sich Ärzte für eine rasch wirkende Vollnarkose. Da das Mittel in den Blutkreislauf und damit auch das Kind erreicht, leiten Ärzte eine Vollnarkose erst ein, wenn alles vorbereitet ist.

Der kaiserliche Schnitt

Der sogenannte Pfannenstil-Schnitt kann zwischen 8 und 12 Zentimeter lang werden – eine durchaus lange Narbe! Doch im Schambeinbereich besteht die Möglichkeit so zu schneiden, dass das Wundmal später in der Bikinifalte verschwindet und optisch nicht stört.

Heute verwenden die meisten Chirurgen die gewebeschonende Misgav-Ladach-Technik. Dabei reicht ein kleinerer Schnitt aus, der dann per Hand vorsichtig gedehnt wird, bis das Gewebe weiter aufreißt. Was sich brutal anhört, gilt als sanfte Methode: die Wunde blutet nicht so stark, ist anschließend weniger schmerzhaft und verheilt schneller als nach einem langen Schnitt.

Egal welche Schnittmethode der Arzt wählt, er muss nicht nur die Haut, sondern die gesamte Bauchdecke, also auch Fett- und Muskelschichten durchtrennen. Um dann letztlich die Gebärmutter (Uterus) öffnen zu können, schiebt er noch vorsichtig die davorliegende Harnblase etwas zur Seite. Auch der Uterus wird quer aufgeschnitten und manuell weiter gedehnt, bis der Kopf des Babys durchpasst. Maximal dauert es bis zu einer halben Stunde, dann ist das Baby da!

Nach der Geburt

Nach dem Abnabeln sind Hebamme, Papa und eventuell ein Kinderarzt zuständig. Der Chirurg entnimmt in der Zwischenzeit den Mutterkuchen (Plazenta) und vernäht die Wunde: zuerst die Gebärmutter und schließlich die einzelnen Schichten der Bauchdecke. Dabei verwendet er selbstauflösendes Nahtmaterial – Fäden ziehen ist später nicht mehr nötig!

Danach wird die frischgebackene Mama noch eine Weile beobachtet: Narkose gut vertragen? Keine Blutungen und Kreislaufprobleme? Ist alles okay, geht es zusammen mit dem Baby auf die normale Wöchnerinnenstation.

Variante „Kaisergeburt“

Kliniken geben sich heute große Mühe, die Geburt für die Schwangeren so angenehm wie möglich zu gestalten und auf diverse Wünsche einzugehen – nicht nur bei der natürlichen Geburt. Bei einer Operation sind die Möglichkeiten natürlich begrenzt, vor allem bei einer Not-Sectio und ernsten Risiken. Letztlich entscheidet der Operateur, er trägt die Verantwortung.

Einige Kliniken bieten die sogenannte Kaisergeburt an, die der natürlichen Geburt soweit wie möglich nahekommt: Nach dem Schnitt in den Uterus fällt der Sichtschutz! Hat der Arzt das kleine Köpfchen herausgeholt, ist ein erster Blickkontakt zwischen Mutter und Kind möglich. Ist der Rest vom Winzling auf der Welt, darf er kurz auf den Bauch der Mutter. Wenn der Vater möchte, kann er nun mit einer sterilen Schere die Nabelschnur durchtrennen. Danach wird der Sichtschutz wieder hochgezogen und der Arzt versorgt Mutterkuchen und Wunde weiter. Die Hebamme kümmert sich um das Kind, bevor es der stolze Papa zurück zur Mama bringt. Durch dieses emotionale Erlebnis während der Geburt schüttet der weibliche Körper einen Cocktail an Glückshormonen aus, die den Milcheinschuss fördern, Schmerzen reduzieren und die Bindung zwischen Mutter und Kind stärken, ganz ähnlich wie bei einer natürlichen Geburt!

Schmerzen nach dem Kaiserschnitt

Nach einer vaginalen Geburt schmerzt vielleicht ein Dammriss, aber die Geburtsschmerzen sind am nächsten Tag meist vorbei und vergessen. Anders bei einem Kaiserschnitt: Da auch die Bauchmuskeln in Mitleidenschaft gezogen wurden, schmerzt jede Bewegung. Schmerzmittel verschaffen Linderung. Allerdings muss bei stillenden Müttern ein Wirkstoff gewählt werden, der nicht in die Muttermilch übergeht.

Ein Kaiserschnitt schützt im Übrigen nicht vor lästigen Nachwehen. Die Gebärmutter muss sich zurückbilden, egal ob natürliche Geburt oder Kaiserschnitt. Auch nach Kaiserschnittgeburten nehmen die Nachwehen mit jeder weiteren Schwangerschaft an Intensität zu.

Stillen nach Kaiserschnitt

Stillen nach Kaiserschnitt ist möglich und fördert die Mutter-Kind-Bindung. Manchmal dauert es allerdings etwas länger bis zum Milcheinschuss. Da die Narbe schmerzt, sind nicht alle Stillpositionen nach einem Kaiserschnitt super. Ein Stillkissen über dem Bauch, schützt die Narbe. Die meisten Frauen empfinden das Stillen in Seitenlage nach einem Kaiserschnitt als angenehm. Beim Anlegen in den ersten Tagen ist es toll, wenn eine erfahrene Hebamme hilft oder ein Partner da ist, der das Baby reicht.

Narbe nach Kaiserschnitt

Die Narbe darf die ersten Tage nach der Operation nicht nass werden. Duschen mit entsprechenden Pflastern ist aber möglich. Die Narbe wird schöner und verheilt besser, wenn sie täglich mit einer Narbensalbe massiert wird. Wie auch nach der natürlichen Geburt müssen Frauen bis zum ersten Bad oder bis zum ersten Gang in die Sauna nach einem Kaiserschnitt warten, bis der Wochenfluss versiegt ist.

Sport nach Kaiserschnitt

In der Schwangerschaft leistet der Beckenboden einiges und auch ohne vaginale Geburt muss er sich nach einem Kaiserschnitt regenerieren. Bauch, Beckenboden und Gebärmutter brauchen etwas Training. Deshalb müssen sich auch Frauen etwa rund sechs Wochen nach dem Kaiserschnitt unbedingt eine Rückbildungsgymnastik organisieren. Nach einem Kaiserschnitt sollte die Bauchmuskulatur anfangs noch geschont werden. Also nicht schwer heben und auf Sportarten, die eine starke Bauchmuskulatur erfordern, besser verzichten, bis die Narbe gut verheilt ist!

Einmal Kaiserschnitt immer Kaiserschnitt?

Heutzutage kann eine Frau nach einem Kaiserschnitt bei der nächsten Schwangerschaft auf natürliche Weise zu entbinden. Gerade Frauen mit einem ungeplanten Kaiserschnitt wünschen sich das sehr. Wichtig ist, dass der Uterus beim Kaiserschnitt mit einem Querschnitt geöffnet wurde. Ein Arzt oder eine Hebamme, die einen bei dem Wunsch tatkräftig unterstützen, sind hilfreich – denn möglich ist es! Leider kommt es nach einem Kaiserschnitt nicht selten erneut zu einer Plazenta praevia oder einer Uterusruptur. Dann führt an einem Kaiserschnitt erneut nichts vorbei.

Kaiserschnitt: Risiken für Mutter und Kind

Der Eingriff ist für das Baby definitiv weniger anstrengend als eine natürliche Geburt: Kein Quetschen durch den Geburtskanal, kein Stress! Komplikationen beim Kind halten sich in Grenzen. Möglich sind:

  • Schnittverletzungen
  • Atemprobleme
  • Infektionen
  • Anpassungsstörungen

Da es sich bei einem Kaiserschnitt um eine offene Operation handelt, trägt die Mutter das größere Risiko. Die Müttersterblichkeit ist bei einem Kaiserschnitt durchaus höher. Außerdem sind folgende Komplikationen möglich:

  • Verletzung von Organen: Harnblase, Harnleiter, Darm
  • Bedrohlich hoher Blutverlust während oder nach Operation, ggf. Bluttransfusion
  • Infektion
  • Wundheilungsstörung
  • Blutgerinnsel: Thrombose, Embolie
  • Probleme durch die Narkose
  • Nervenreizung und Lähmungserscheinung
  • Verwachsungen z. B. an der Gebärmutter
  • Posttraumatische Belastungsstörung

Ein häufig beschriebenes Problem nach einem Kaiserschnitt ist psychologischer Natur. Insbesondere Frauen, die sich auf eine natürliche Geburt gefreut haben, fällt es nach einem Kaiserschnitt schwer, eine gesunde Bindung zu ihrem Baby aufzubauen. Mit einer Bindungsstörung gehen häufig Stillprobleme einher. Psychologische Betreuung und die Begleitung durch eine erfahrene Hebamme oder Stillberaterin sind in diesem Fall wirklich wichtig!

Kaiserschnitt – ja oder nein?

Drei verschiedene Entscheidungswege führen zum Kaiserschnitt.

  • Zeigt sich im Verlauf der Schwangerschaft, dass schwere Komplikationen bei der Geburt drohen, folgt ein medizinisch geplanter Kaiserschnitt (primäre Sectio).
  • Kommt es während der natürlichen Geburt zu Komplikationen, wird ein Kaiserschnitt notfallmäßig durchgeführt (sekundäre Sectio, Not-Sectio).
  • Für einen Wunschkaiserschnitt entscheidet sich die Frau freiwillig und ohne medizinischen Grund.

Medizinische Gründe

Es gibt medizinische Gründe und Situationen, in denen Ärzte nicht lange über einen Kaiserschnitt nachdenken:

  • Mutterkuchen löst sich vorzeitig oder liegt falsch (vor der Gebärmutter; Plazenta praevia)
  • Gebärmuttermuskulatur reißt (Uterusruptur)
  • Bluthochdruck in der Schwangerschaft: Krampfanfälle, Eklampsie oder HELLP-Syndrom
  • Infektion mit Bakterien der Fruchthöhle (Amnioninfektionssyndrom)
  • Stoffwechselprobleme beim Baby (fetale Azidose)
  • Nabelschnurvorfall
  • Kind liegt quer
  • Kopf des Kindes ist größer als das Becken der Mutter

Neben diesen sogenannten absoluten Indikationen können relative Indikationen für einen Kaiserschnitt sprechen. Hier gilt es Vor- und Nachteil abzuwägen. Dazu zählen:

  • Unerwarteter Geburtsverlauf: Lange Geburt, Geburtsstillstand, erschöpfte Mutter, auffällige Herzschläge
  • Beckenendlage: mit einem erfahrenen Gynäkologen oder einer versierten Hebamme kann eine Spontangeburt funktionieren
  • Errechnetes Geburtsgewicht über 4,5 kg
  • Zwillinge oder Mehrlinge
  • Vorangegangener Kaiserschnitt

Wunschkaiserschnitt – Fluch oder Segen?

Die Fortschritte der Medizin bieten durchaus Annehmlichkeiten: Antibiotikum oder Impfung sind nur einige Innovationen mit großem Nutzen. Wieso also nicht auch einen Kaiserschnitt nach Wunsch?

Gründe für den Wunschkaiserschnitt

Was als Notfalleingriff gedacht war, um das Leben von Mutter und Kind zu retten, entwickelt sich in den letzten Jahren zunehmend zum Trend – nicht nur unter Promis. Da beim Wunschkaiserschnitt keine eindeutige medizinische Notwendigkeit besteht, sind Schwangere mit dieser Entscheidung oft Anfeindungen ausgesetzt. „Too posh to push“ bekam Victoria Beckham zu hören, als sie sich für einen Kaiserschnitt entschied. Für manche scheint es schwer nachvollziehbar, warum Frauen sich freiwillig in einem sterilen OP unters Messer legen, statt im Kreissaal auf einem angenehmen Bett oder in der Badewanne ihr Kind zu gebären.

Gründe für einen freiwilligen Kaiserschnitt können sein:

  • Angst vor Wehen und Schmerzen
  • Unsicherheit eine natürliche Geburt körperlich und seelisch meistern zu können
  • Furcht vor Dammriss oder Dammschnitt
  • Sorge um erfüllte ungetrübte Sexualität nach vaginaler Geburt
  • Wunsch nach kalkulierbarerem Geburtsrisiko
  • Angst vor Kontrollverlust: Ein planbarer Wunschkaiserschnitt beruhigt. Auch beruflich vielbeschäftigte Partner finden die Vorstellung von einer Geburt zum fixen Zeitpunkt angenehmer. Ein exakter Wunschtermin ist aber nur bedingt möglich, denn im Krankenhaus gehen Notfälle natürlich immer vor.

Wunschkaiserschnitt – zwei Seiten einer Medaille

Die Anzahl durchgeführter Kaiserschnitte pendelt sich in den letzten Jahren bei etwa 30 Prozent ein. Wie viele davon allerdings reine Wunschkaiserschnitte sind, bleibt unklar. Die Kosten für einen Kaiserschnitt nach Wunsch übernehmen die Krankenkassen nicht. Die Hintertür ist eine ärztliche Empfehlung, bei der durchaus auch psychologische Gründe, wie Angst vor der Geburt, gewichtet werden. Ein Gutachten vom Psychologen reicht.

Doch nicht nur Frauen haben Angst vor der Geburt, auch Ärzte sind gern auf der sicheren Seite: Haftungsfragen könnten die Entscheidung hin zum Kaiserschnitt durchaus begünstigen. Darüber hinaus bekommen Krankenhäuser für einen Kaiserschnitt mehr Geld. Der Wunschkaiserschnitt ist für eine Klinik also lukrativer als die natürliche Geburt.

Wünschenswert wäre eine offene und ehrliche ärztliche Beratung über die Möglichkeiten: Frauen sollten beispielsweise wissen, dass sich eine vaginale Geburt dank PDA schmerzfrei erleben lässt, dass körpereigene Hormone zu ungeahnten körperlichen und seelischen Potenzialen verhelfen und dass auch bei Beckenendlage eine natürliche Geburt möglich ist. Manchmal ist es für Eltern schwer herauszufinden, ob der ärztliche Rat zur Sectio nicht eine wirtschaftliche Komponente hat. Bestehen Zweifel, ob der Kaiserschnitt medizinisch wirklich nötig ist, ist eine zweite ärztliche Meinung einholen natürlich erlaubt.

Wunschkaiserschnitt – eine verantwortungsvolle Entscheidung

Wir leben in Zeiten und in einem Land in dem jede Frau über sich und ihren Körper frei entscheiden kann: über die Form der Verhütung, über eine Abtreibung und letztlich auch über die Art und Weise, wie und wo sie ihr Kind auf die Welt bringen möchte. Die Freiheit bringt mit sich, dass sich jede Frau vorher eingehend mit der Thematik auseinandersetzen und über Vor- und Nachteile informieren muss. Zudem braucht es Ärzte, die sich die Zeit nehmen, über Möglichkeiten und Notwenigkeit aufzuklären. Nur dann ist es möglich, eine verantwortungsvolle Entscheidung für sich und sein Kind zu treffen, mit der es sich danach gut leben lässt. Denn egal, ob Wunsch oder Notfall – ein Kaiserschnitt bleibt eine Operation, mit Schmerzen, Narbe und allen damit verbundenen Risiken.